Künstlerhaus Göttingen
im Lichtenberghaus
Marion Bargmann, 06.08. - 06.09.09

Die Göttinger Künstlerin Marion Bargmann arbeitet
abstrakt mit Öl auf Leinwand

Das Göttinger Tageblatt vom 13.08.2009:

Wohlfeil aufgetrocknete Brüche

Vor allem um die Farbe Rot geht es in den Arbeiten, die die Göttinger Künstlerin Marion Bargmann derzeit im Künstlerhaus zeigt.

Hellrosa schimmert es an den Rändern, mal ein dichtes Gelb, mal ein dunkler Ton im Hintergrund, an anderer Stelle algenschweres Grün wie aus der Tiefe einer Tropfsteinhöhle. Die Farbe jedoch, die Marion Bargmann in den Bildern, die derzeit im Weißen Saal des Künstlerhauses in Göttingen zu sehen sind, am breitesten zeigt, ist Rot.

Von dunkel raunender Schwere, schriller Aufmerksamkeit, klebriger Blutigkeit oder von schreiender Vehemenz, verwandelt sich mit ihrem Auftreten der Auftrag, der Gestus, die Quantität. Mit dieser Farbe geht Bargmann an ein persönliches Höchstmaß. Rot ist Signal.

Schorf an der Oberfläche

Wo andere Töne flächig bleiben, gar Durchblicke erlauben, kennt die Göttinger Künstlerin beim Rot nur je die nächsthöhere Potenz: In dicken Flecken, durchritzt und bekritzelt, in groben Klümpchen trocknet es glänzend auf, verbleibt als offensiv-offensichtlicher Schorf an der Oberfläche. Die Farbe auch in ihrer materiellen Verwendetheit ist das übersteigerte Menetekel in den formal sehr geordneten und durchgearbeiteten Gemälden, sie birgt als wohlfeiler Bruch jedoch den konventionell expressiven Ausdruckswert, Bedrohlichkeit vermag sich so nicht immer zu vermitteln.

Doch es gibt auch andere Exemplare von klarem Aufbau, die schattige Durchgänge bieten. Räume öffnen sich, die in Schichten dahinter liegen, stumpfere Klänge schwingen mit, helle Töne aus der Tiefe.

Bis 6. September im Göttinger Künstlerhaus, Gotmarstraße 1: dienstags bis freitags von 16 bis 18 Uhr, sonnabends und sonntags von 11 bis 13 Uhr.

Von Tina Lüers