Künstlerhaus Göttingen
im Lichtenberghaus

Weißer Saal
14.08. – 07.09.14
Christian Helwing
Ortsspezifische Installation P.P.*

Eröffnung: 14.08.14, 19:00 Uhr
Einführung: Erhart Schröter

Künstlergespräch mit Christian Helwing: Sonntag, 24.08., 11.30 Uhr

Christian Helwings ortsspezifische Interventionen bewegen sich an der Schnittstelle von Kunst und Architektur. In diesen werden die formalen, architektonischen, historischen und sozialen Parameter, die einen Ausstellungsraum oder eine Projektsituation bestimmen, zum Arbeitsmaterial.

In den raumbezogenen Interventionen geht es immer auch um die körperliche Anwesenheit des Betrachters im Raum und die dadurch gegebenen besonderen ästhetischen Erfahrungen. Er wird körperlich mit Wahrnehmungsformen konfrontiert, in denen er selbst zur Hauptperson innerhalb der Kunst wird. In einem Gefüge aus realen und idealen Gegebenheiten muss ein Besucher sich neu verorten. Dies eröffnet einen Prozess der kritischen Revision der eigenen Verhaltensweisen auf intuitiver und reflektierter Ebene, wobei sich diese beiden Formen der Erkenntnis nicht hierarchisch gegenüber stehen, sondern miteinander verschränken sollen.

Helwings Arbeiten entstehen zudem aus der Überzeugung heraus das Architektur kein statisches Gebilde ist oder sein sollte. Vielmehr versteht er diese als ein zeichenhaftes System welches sich verändern und interpretieren lässt. Die Arbeit für den „Weißen Saal“ und die Fassade des Künstlerhauses Göttingen ist mit ihrem Titel P.P.* eine Referenz an das historische Lichtenberghaus, der Wirk- und Arbeitsstätte Georg Christoph Lichtenbergs.

Die Arbeit ist dem Zauberer Philadelphus Philadelphia gewidmet. 1777 ließ Lichtenberg während dessen Gastspiels ein Plakat aushängen, auf dem er Philadelphias Programm so ankündigte, als stammte es von diesem selbst. Auf dem Plakat wurde unter anderem behauptet, Philadelphia werde blitzschnell den Wetterhahn der Jacobikirche mit der Fahne der Johanniskirche vertauschen. Der so herausgeforderte Philadelphia verließ Göttingen überstürzt, ohne eine weitere Vorstellung gegeben zu haben.(Quelle: Wikipedia, s.a. Lichtenberg-Gesellschaft e.V.)

Das zu der Ausstellung an den Eckbalkonen des Hauses befestigte schwarze Banner, welches keinen Namen oder Datum trägt, ähnelt einem weit in der Fußgängerzone sichtbaren, magischen Zeichen. Betritt ein Besucher den Ausstellunsgsraum von der Straße kommend, findet dieses Zeichen seine Fortsetzung in Form einer schwarzen Teppichbahn die den „Weißen Saal“ in einer begehbaren Diagonale durchschneidet (im Bereich der modernen Skulptur ist die Diagonale im Raum das spannungsreichste formale Motiv). Gekreuzt wird diese von einer zweiten Teppichbahn die den Zugang durch die Tür im Treppenhaus aufnimmt und ebenso begehbar verlängert. An den Schnittstellen dieser beiden Teppichbahnen mit den Wänden des Raumes setzen sich diese in Form von schwarzen, diagonalen Streifen fort.

Der Weiße Saal wird so in ein, den Besucher umfassendes, konstruktivistisches Raumgefüge transformiert welches formale Bezüge zu der Fachwerkstruktur des Hauses herstellt und so versucht den Ausstellungsraum im Stadtgefüge zu verorten.

Ausführliche Informationen zu den Projekten von Christian Helwing finden Sie unter www.christianhelwing.de

Kurzvita Christian Helwing / geboren in Osterode am Harz, lebt und arbeitet in Riga (Lettland) / Studium der Bildenden Kunst an der Fachhochschule Hannover, der Hiroshima City University (Japan), der Hochschule für Künste Bremen (Meisterschülerabschluß bei Yuji Takeoka) / Ausgewählte Einzelausstellungen: 2013 Stadtgalerie Kiel, 2011 Pilot Projekt für Kunst Düsseldorf, 2010 Kunstverein Hannover (Stufen zur Kunst), 2009 Kunstverein Ruhr in Essen, 2007 Kunsthalle Bremerhaven / In Planung: 2014 Arsenals - Latvian National Museum of Art (Riga), 2014 House of Art in Ceské Budejovice (Tschechien), Frühjahr 2015 Gerhard Marcks Haus Bremen /