Künstlerhaus Göttingen
im Lichtenberghaus
Per Kirkeby, 11.04. - 13.06.2010
- Hellwach - mit geschlossenen Augen -
Obere Galerie

Für die Ausstellung haben wir die Öffnungszeiten verlängert:
Dienstag - Freitag 14-18 Uhr
Samstag/Sonntag 11 - 15 Uhr


Wir danken der Galerie Michael Werner und ihren Mitarbeitern für die gute Zusammenarbeit und Unterstützung.

Göttinger Tageblatt, 09.04.10:
Eröffnung am Sonntag
Kirkeby im Künstlerhaus Göttingen

Der 1938 in Kopenhagen geborene Maler, Bildhauer, Architekt, Filmemacher und Dichter stellt im „Künstlerhaus“, Gotmarstraße 1 in Göttingen, aus. „Hellwach – mit geschlossenen Augen“ nennt er seine Ausstellung, die ab Sonntag, 11. April zu sehen ist.


Skulpturen und großformatige Malerei: Werke des Dänen Per Kirkeby im Künstlerhaus. © Pförtner

Nach großen Museen wie dem Museum Of Modern Art und dem Guggenheim-Museum in New York, dem Stedelijk Van Abbemuseum in Eindhoven oder der Weltkunstausstellung Documenta in Kassel, präsentiert nun das Künstlerhaus Göttingen seine Werke. Der promovierte Geologe malt seit den 1950er Jahren. 1962 trat er der Künstlergruppe „Eksperimenterende Kunstkole“ bei. Bekannt ist der dänische Künstler für monumentale und monolithische Backsteinskulpturen, bildhauerische Arbeiten, Ölgemälde, Bronze-Plastiken und architektonische Arbeiten für die „Stiftung Insel Hombroich“.

Nach diversen Reisen nach Grönland im Jahr 1958 und nach Südamerika zu den Maya-Kulturen 1971, lebt und arbeitet Kirkeby in Kopenhagen, auf Laeso, in Frankfurt am Main und Arnasco (Italien).

Kirkebys Ausstellung im Künstlerhaus in der Gotmarstraße 1 wird am Sonntag, 11. April, um 11.30 Uhr eröffnet. Zur Einführung spricht der Kunstkritiker Michael Stoeber. Sie läuft bis 13. Juni und ist dienstags bis freitags von 14 bis 18 Uhr, an den Wochenenden von 11 bis 15 Uhr geöffnet. ab


Göttinger Tageblatt, 12.04.10:
„Hellwach – mit geschlossenen Augen“
Die Summe der malerischen Struktur

Vertikales Pink, dunkler Hinterhalt, helle Reflektionen, senffarbene Gräser und doch allein Strukturen. Die Elemente des Systems Per Kirkebys beziehen sich aufeinander, sind miteinander verbunden, auf kunstvolle, unprätentiöse und ambivalente Weise.



Von Kirkeby: „Ohne Titel“ (2001), Mischtechnik auf Masonit, einer speziellen Holzfaserplatte. © Heller

In den Linien, den malerischen Strukturen, den oft dunklen Flächen und helleren, darüber liegenden Schichten und Ordnungen offenbart sich ein persönliches Geflecht. Über die formalen Grate ermöglicht jeder Ansatz, jede noch erkennbare Maserung angedeuteten Holzes den Einstieg in eine Bildwelt, die obschon nahe an der Natur, diese zerschellen lässt. In den Bildern des 1964 promovierten Geologen sedimentieren sich „hauchdünne Schichten“, lagern sich endlose Prozesse ab, bricht tiefer Liegendes immer wieder auf, immer wieder durch.

Mit Öl, Tempera, mit Kreiden auf Leinwand und auf Masonit, einer speziellen Holzfaserplatte, manchmal dunkel wie eine Wandtafel grundiert, arbeitet Kirkeby. Seine Strukturen mögen den räumlichen Aufbau von Materie spiegeln und zugleich jedoch ein innerster, abstraktester Aufbau sein.

So zeigt sich neben einer schönen Oberflächenstruktur, die an Landschaften erinnert und Farbkombinationen, die von Kadmiumgelb zu Magenta und von dort über Kobalt bis zu Umbra und Caput Mortum reichen, auch eine Tiefenstruktur der Bilder, denen nachzugehen eine Lust ist und deren Sinngefüge sich nur persönlich schließen kann – und wohl auch soll.

Schließlich geht es hier um Malerei, deren Strich bei allem Gestischen, manchmal fast informellen Überhang, nicht suchend ist sondern die Suche abschließt und wendet. Wie in der schottischen Küste zeigt sich in den bewegten Kapitelüberschriftenbildern, die Kirkeby zu Lars von Triers Film „Breaking the waves“ gemacht hat, plötzlich etwas ganz anderes, höchst Inneres, höchst Berührendes.

Ähnlich einer Topologie verbinden sich bei Kirkeby die verschiedenen Medien, Malerei als die größte unter ihnen, daneben die Architektur, Filmisches, Essays, Skulpturen. In der Göttinger Ausstellung, deren Gemälde zum Großteil 2008 entstanden sind und deren Ausstellung in Göttingen Ev Kaboth vor Monaten in Berlin vereinbaren konnte, sind darüber hinaus kleine schwarze Objekte zu sehen, deren Charakter ebenso skizzenhaft wie architektonisch ist und an die groß ausgeführten Plastiken erinnert.

Wäre Göttingen ein Museum wie der Louvre in Paris, würden nun wohl aufgemalte Fußstapfen Richtung Künstlerhaus und damit Richtung Glanzlicht weisen. Mit Per Kirkebys Arbeit sind jetzt Werke in der Stadt, die zwar den Jahresetat des Künstlerhauses bis an seine Grenzen belasten. Doch neben ihrer touristischen Qualitäten – man denke an die kommenden Händel-Festspiele – haben sie eine malerische Intensität und Größe der Auseinandersetzung zu bieten, die jede Bedenken beiseite wischen, hat man sich die Bilder erst einmal angeschaut.

Die Ausstellung ist zu den eigens verlängerten Öffnungszeiten des Künstlerhauses Göttingen, Gotmarstraße 1, dienstags bis freitags von 14 bis 18 Uhr, an den Wochenenden von 11 bis 15 Uhr bis zum 13. Juni zu sehen.