Künstlerhaus Göttingen
im Lichtenberghaus

Alexander Kühn, 09.08. - 13.09.09


Es der faszinierende Verwandlungsprozess,
die unerklärliche Metamorphose an sich, die Alexander Kühn
immer wieder Anlaß ist für seine Malerei.
Daraus resultieren vielschichtige Arbeiten voller Poesie und enormer Farbkraft, ebenso abstrakt wie gegenständlich.
Nicht vordergründige Darstellung der Dinge, sondern deren Wesen -
das Wesen eines Prozesses ist wichtig.
So entstehen Bilder mit scheinbar nicht zu vereinbarendem Miteinander
und Nebeneinander, eine Art Utopie,
eine Gradwanderung zwischen Gegenstand und Abstraktion,
Licht und Dunkel - zwischen Leben und Tod.

Alexander Kühn
und seine Bilder
Inhalt: Seite
Eigene Gedanken 3
Ausgewählte Texte zu meinen Arbeiten:
Raupe mit Lava (Michael Wolfson) 4
Die Geliebte des Seidenspinners (Hans Werner Dannowski) 5
Alexander Kühns spanische Reisen (Michael Stoeber) 8
Die Poesie der Abstraktion im Werk von Alexander Kühn

(Maria Jose’ Corominas Madurell)

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Vita, Ausstellungsverzeichnis und Kontakt 11

 

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Das Göttinger Tageblatt vom 12.08.2009

„Das vierte Leben“

Materielle Leichtigkeit und plakative Farbwucht

Bilder des 1956 in Treysa geborenen, in Hannover wirkenden Künstlers Alexander Kühn zeigt der Göttinger Kunstverein. Dazu gehören „Das vierte Leben“ und weitere Zyklen.

Dunkel verschluckt die Nacht den Abglanz des Feuers in Afghanistans Hauptstadt Kabul. In der Folge der wiederholten Bombenangriffe vom Oktober 2001 brennt die Stadt lichterloh, die Flammen der Gebäude scheinen weithin wie Fackeln – diese Bilder zumindest sind zu vermuten gewesen und beschrieben worden, waren doch damals die offiziellen Bilder rar.

Alexander Kühn hat seine Reaktionen zu diesem Ereignis in schnellen Bildern festgehalten. „Ich war damals auf Mallorca, malte eines nach dem anderen, die ganze Nacht durch, bis zur körperlichen Erschöpfung.“ „Ikarus“ nennt er diese Reihe.

Mit starken Kontrasten von Hell und Dunkel und in komplementären Farben geht Kühn verschwenderisch um, baut mit stark verdünnter Farbe, manchmal gar flüssiger, lichtechter Textilfarbe schnelle Bilder. Einige Zeichen verweisen schlicht auf die Thematik: Pfeile zeigen den Bombenflug, ein rotes Kreuz eines der Ziele. Trotz der fast plakativen Farbwucht haben die großen Bilder eine materielle Leichtigkeit, als schwebte die Farbe über dem Grund.

Mehrere Schichten Firnis

Ursache dafür ist das Papier, auf dem Kühn arbeitet. Es wiegt gerade einmal dreißig Gramm pro Quadratmeter – normales Schreibmaschinenpapier ist dreimal so schwer. Wenn Kühn mit dem Pinsel etwas zu kräftig darüber streicht oder es unbedacht aufhebt, sind Risse unabwendbar. Erst mit Gewöhnung und getrockneter Farbe wird es stabiler, lässt sich transportieren und auf Leinwand aufbringen, mehrere Schichten Firnis geben Halt. Der hannoversche Künstler, der sein Atelier in der dortigen Eisfabrik hat, experimentiert seit langem mit diesem Material.

Wie lasiert, manchmal wie geschlämmt wirken einzelne Bilder, „Die Versuchung“, und solche weiterer Zyklen. „Das vierte Leben, oder …“ stellt Versuche mit eingescannten Bildern und Pflanzen dar, ihre Metamorphosen durchwirken die Teile der am Computer malerisch bearbeiteten Ausdrucke und machen sie fremd. Viel ist Erprobung, Verwendung von Material.

Die Ausstellung ist bis zum 13. September im Göttinger Künstlerhaus, Gotmarstraße 1, zu sehen: dienstags bis freitags von 16 bis 18 Uhr, sonnabends und sonntags von 11 bis 13 Uhr

Von Tina Lüers