Künstlerhaus Göttingen
im Lichtenberghaus
03.05. - 01.07.12
Ausstellungsprojekt „Wahlverwandtschaften“

Am 3. Mai beginnt im Künstlerhaus in der Reihe Kunst-Sequenzen ein Ausstellungsprojekt mit dem Titel „Wahlverwandtschaften“. Über einen Zeitraum von fast 2 Monaten werden 6 Künstlerinnen und Künstler in 3 Ausstellungen präsentiert. Dabei wird immer eine regionale Künstlerpersönlichkeit mit einer überregionalen in einer Paarung kombiniert, die eine „Wahlverwandtschaft“ in einem inhaltlichen oder gestalterischen Bereich verbindet. Durch die Möglichkeit des Vergleichs und die dabei notwendig werdende Differenzierung wollen wir das Publikum für grundlegende Fragestellungen der Gegenwartskunst sensibilisieren.



03.05. – 20.05.12
Orenda
Charly-Ann Cobdak
- CRAZY MASCHINES -


Vernissage: 03.05., 19 Uhr
Zur Eröffnung der Ausstellung führt Anja Marrack ein Gespräch
mit beiden Künstlern


In einer Gemeinschaftsschau präsentieren Charly-Ann Cobdak aus München und Orenda aus Bad Lauterberg eine Auswahl ihrer Kunstmaschinen. Bei einzelnen Arbeiten finden sich Bezüge zu dem bekannten Schweizer Bildhauer und Maschinen-Künstler Jean Tinguely. Der spielerische Umgang und die Weiterentwicklung solcher Bezüge ist Anliegen des kreativen Austauschs dieser künstlerischen Wahlverwandten.

Charly-Ann Cobdak ist seit 2009 freischaffende Künstlerin. Auf Flohmärkten und im Ebay stöbert und ersteigert sie den Fundus für ihre fantastisch-innovativen Maschinen, die sie Low Tech Instruments nennt. Ihre Leidenschaft für Maschinenteile und deren Konstruktion zum bewegten Ganzen verbindet sie mit Witz, Komik und sprühender Ironie. Es entsteht ein Feuerwerk an Ideen und innovativen Einfällen verbunden mit gewitzter technisch- tüftlerischer Kompetenz.

Orenda, mit bürgerlichen Namen, Detlef Hänsel, ist freischaffender Künstler seit 1997, und in der internationalen Kinetik-Scene gut bekannt. Mit seinen Maschinen erzählt er Geschichten, schafft Symbole und gibt historischen Vorlagen eine neue Gestalt. Schwerpunkt seiner Arbeit bildet der Werkzyklus „crazy toys“. Das sind kleine Kunst-maschinen, in denen die bewegende Mechanik mit Technik aus Metallbaukästen realisiert wird, und in denen Kinderspielzeuge und Figuren aller Art assembliert werden. Die künstlerische Wahlverwandtschaft im Werk beider Künstler beginnt, wächst und manifestiert sich durch die Assemblage von Fundstücken verbunden mit maschinellen Bewegungsabläufen. „Lassen Sie sich mit “Tschaikowsky - Maschine”, „Kamasutra mechanical No.1“, “Speeddating im Orient” oder „Dolly Buster No.3“ verzaubern und verführen.




24.05. – 10.06.12
Gregory Seán Sheehan
Friedhelm Falke
- Rekonstruktion -

Vernissage: 24.05., 19 Uhr
Zur Eröffnung der Ausstellung führt Anja Marrack ein Gespräch
mit beiden Künstlern







14.06. – 01.07.12
Lilly Stehling
Franziska Metzger
- Örter -


Göttinger Tageblatt vom 20.06.2012:
Parabol-Schirme und geheimnisvolle Linien
Kunstsequenzen: Lilly Stehling und Franziska C. Metzger im Weißen Saal des Künstlerhauses

Von Peter Krüger-Lenz
Schwarz und Weiß: die beiden Unfarben dominieren die letzte Ausstellung in der diesjährigen Reihe „Kunstsequenzen“ im Künstlerhaus Göttingen. Die Göttingerin Lilly Stehling und Franziska C. Metzger, sie lebt in Berlin, haben sich offenbar aufeinander eingestellt. Das ist in einer Doppelausstellung auf so engem Raum wie im Weißen Saal des Künstlerhauses sinnvoll, wenn das Thema der Kunstsequenzen dann auch noch „Wahlverwandtschaften“ heißt, beinahe zwingend. „Örter“ haben die beiden Künstlerinnen ihre Schau genannt. Bei beiden geht es auch um Räume.

Wahlverwandt? Franziska C. Metzger (links) und Lilly Stehling. Vetter

Stehling zeigt eine Auswahl von rund 80 Fotoarbeiten, die innerhalb einer Woche entstanden sind. Alle sind gleichformatig, immer ziehen sich weiße Linien über tiefschwarzen Grund, als habe die Künstlerin ihre Kamera auf Langzeitbelichtung gestellt und im abgedunkelten Raum mit einer Taschenlampe rhythmisch Bewegung vollführt.
Über die Art der Herstellung gibt Stehling keine Antwort. Sie habe das Verfahren erfunden, das Geheimnisvolle des Verschweigens gefalle ihr, sagt Stehling. Das bildnerische Ergebnis erinnert an die Werke von K. R. H. Sonderborg, einen der bedeutendsten Künstler des Informel der 1950er Jahre. Der hatte schwarze Linien auf weißen Grund gezeichnet und dabei immer den genauen Zeitpunkt des Malens festgehalten. Ihm ging es darum, die eigenen emotionalen Zustände zu verbildlichen. Und genau das passiert auch bei Stehling. Ihre Bilder wirken mal nervös, mal dynamisch, mal kontemplativ oder geradezu vergnügt.
Metzger zeigt im Künstlerhaus komplexere Werke. Mitten in den Raum hat sie drei große Schirme gestellt. Sie werden getragen von maschinenartigen Holzkonstruktionen, die in schweren Betonsockeln verankert sind. Die Schirme wirken wie Parabolantennen und stehen einander zugewandt.Aus Lautsprechern im Zentrum der Schirme spricht jemand einen Text, den die Künstlerin verfasst hat. Über etwas entfernt an der Wand montierte Fernseher laufen dazu korrespondierende Videosequenzen. Und eine Ecke des Weißen Saals hat sie abgetrennt und zu einem eigenen Raum mit Tür und Fenster verwandelt. Von drinnen tönen Vogelstimmen. Speziell auf den Raum bezogen hat sie diese Arbeiten entworfen – und schafft damit neue Räume. Poetisch und erzählerisch wirken sie, und sie wirken stark.