Künstlerhaus Göttingen
im Lichtenberghaus
Weißer Saal
19.03. – 02.08.15

In der Reihe der „Kunst-Sequenzen“ wollen wir in diesem und im nächsten Jahr die vielfältigen Möglichkeiten des Mediums Fotografie aufzeigen und haben für 2015 vier interessante Positionen von jungen Fotografinnen und Fotografen ausgewählt, die ungewöhnliche Sicht- und Gestaltungsweisen in die Fotografie einbringen. Die Reihe beginnt ab 19. März im Weißen Saal des Künstlerhauses und läuft in 4 einzelnen nacheinander folgenden Ausstellungseinheiten bis zum 2. August. Die Ausstellungsreihe wird in diesem Jahr von der Calenberg-Grubenhagenschen Landschaft und der Göttinger Kulturstiftung gefördert.
Die große Frage von Realität und virtueller Manipulation in der Fotografie wird von den 4 ausgewählten Künstlerinnen und Künstlern auf unterschiedlichste Weise ausgelotet und führt zu äußerst vielschichtigen künstlerischen Lösungen. In der Gegenüberstellung in einer Reihe wie in den „Kunst-Sequenzen“ wird eine besondere Differenzierung und Sensibilisierung für die Problemstellungen der Fotografie als Kunst der Gegenwart auch für das Publikum erreicht.



19.03. – 19.04.15
Dennis Improda
DOUBLE GLAZED
Foto-Objekte

Vernissage: Donnerstag, den 19. März um 19 Uhr
Einführung: Johanna Unkhoff, Hannover

Der erste Künstler unserer Reihe, Dennis Improda aus Hannover, löst die Fotografie in seinen Arbeiten ganz von der Funktion, Bilder der Wirklichkeit wiederzugeben. Durch manuelle und chemische Manipulationen verwandelt er beispielsweise Fotos aus Sofort-Bild-Kameras in Strukturbilder die an informelle abstrakte Malereien erinnern. Das transformierte Bildmaterial wird in Verbindung mit medialen Wiedergabe-Gerätschaften, wie Projektoren, Bildkästen, Stativen etc. sogar zu Objekten stilisiert, die das mediale Material zu unberechenbaren, organischen Wesen werden lassen.
Auch von dieser bemerkenswerten Arbeitsweise werden interessante Werke präsentiert.





23.04. – 24.05.15
Magdalena Abele
time-shift
Fotografie

Vernissage: Donnerstag, den 23. April um 19 Uhr
Einführung: Johannes Kersting, Nürnberg

In Magdalena Abeles Landschaftsfotografien verliert die Natur ihre Natürlichkeit, wenn wir sehen, wie in den grandiosesten landschaftlichen Sehenswürdigkeiten Schwärme von Touristen wie Ameisen von der Natur Besitz ergreifen. Um einen gesteigerten gestalterischen Ausdruck der Inbesitznahme der Natur durch den Menschen zu erreichen, setzt Magdalena Abele die digitale Bildbearbeitung ein.
Die Eröffnungsrede von Johannes Kersting kann hier heruntergeladen werden.






28.05. – 28.06.15
Johannes Kersting
CHROMOPHILIE

Vernissage: Donnerstag, den 28. Mai um 19 Uhr
Einführung: Dr. Patrick Ruckdeschel

Gibt es noch einen Unterschied zwischen Malerei und (digitaler) Fotografie, nicht in technischer, sondern vor allem in inhaltlich-ästhetischer Hinsicht?
Die Arbeiten von Johannes Kersting gehen in dieser Frage einen medialen Dialog ein. Hierbei spielt die Farbe als bildnerisches Element eine wichtige Rolle, nicht zuletzt da sie scheinbar dazu geeignet ist, den Betrachter stark zu verunsichern.
“Chromophilie” (Liebe zur Farbe), in humorvoller Anspielung an den Buchtitel “Chromophobie” (Angst vor Farbe) von David Batchelor, soll die Affinität Kerstings zur Farbe ausdrucken. Trotz William Eggleston und anderer Pioniere wird die übermäßige Verwendung von Farbe innerhalb der Fotografie heute noch immer oft als unkünstlerisch und unsachlich betrachtet und nicht selten assoziiert mit der verführerischen Banalität der Werbefotografie.
Die Fotografie – und nicht nur die moderne Digitalfotografie – erzeugt in ihren Bildoptimierungen automatisierte und perfektionierte Interpretationen von Realität, ohne dass wir genau sagen konnten an welchem Punkt diese zur Spekulation geraten. Johannes Kersting mochte in seinen Arbeiten jedoch nicht in einen pessimistischen, medialen Abgesang auf die Glaubwürdigkeit der Fotografie einstimmen, sondern im Gegenteil dazu einladen, sich diesem Interpretationsspielraum lustvoll zu nähern. Seine fotografischen Arbeiten propagieren, geschult durch die Errungenschaften der Malerei, in einer ungewohnten Melange aus konstruktivistisch-geometrisch anmutenden Grundstrukturen und dem üppigen Einsatz von Farbigkeiten die Versöhnbarkeit zwischen den gestalterischen Elementen. Ebenso wird eine Form von Fotografie zelebriert, die nicht zweckdienlich sein will. Sie will sich vor allem keinem Dokumentarbegriff verpflichtet fühlen, der fotografische Sachlichkeit mit dröger Grauheit verwechselt und formale Askese mit naturtreuer Beschreibung gleichsetzt.





02.07. – 02.08.15
Gisoo Kim
Fotografie "bestickend"

Vernissage: Donnerstag, den 02.07.15 um 19 Uhr
Einführung: Anja Marrack

Künstlergespräch: Samstag, den 18.07.2015 um 15 Uhr

In der vierten Folge der Kunstsequenzen zur Fotografie nimmt die Koreanerin Gisoo Kim, die in Essen lebt, das uralte Handwerkzeug von Nadel und Faden, um das moderne Abbildungsmittel der Wirklichkeit, die Fotografie, zu neuen Bildwelten zusammenzufügen, wobei der Faden als Linie grafische Strukturen in räumlich wirkende Bildflächen zeichnet.