Künstlerhaus Göttingen
im Lichtenberghaus
Erwin Legl, wood-plaster-jute, 19.2.-22.3.2009

Das Göttinger Tageblatt schreibt:

Aspekt der Allseitigkeit und Galerieraum als Bühne

Seit den 60er Jahren wird die Plastik zur Triebkraft für eine Entwicklung in der Kunst, die alle traditionellen Formen und Kategorien sprengt. Nicht nur neue Materialien wie Fett, Asche und Blütenstaub kommen zum Einsatz, auch der skulpturale Raum an sich wird ausgeweitet.

Das Objekt wird zum Projekt, die Idee zum Konzept. Erwin Legl, dessen Ausstellung am Donnerstagabend im Künstlerhaus Göttingen eröffnet wurde, bewegt sich fern dieser Kunst. Seine Werke – Plastiken aus Gips, Holz und weißer Farbe sowie Bleistiftzeichnungen und Acrylbilder – sprechen eine stille, poetische Sprache. Die Werke erfordern Zeit, sich auf sie einzulassen.

Vor allem für die Plastiken hebt Legl den Aspekt der Allseitigkeit hervor. Mit diesem Zugang zu seiner Kunst, der nicht mit Beliebigkeit verwechselt werden darf, öffnet der Künstler den vielseitigen Blick des Betrachters auf seine Werke. Eine liegende Plastik, die aus der Nähe wie eine liegende, den Kopf aufstützende Frau aussieht, erinnert aus der Ferne und von hinten betrachtet an etwas Bootähnliches. Dabei sind die Plastiken nie Abbild von Realität, sondern entwickeln ihre Wirkung vor allem durch den gekonnten Umgang mit Strukturen. Rauhe und kantige Partien öffnen sich in weiche glatte Flächen, harte geometrische Formen stehen weichen Rundungen gegenüber.

Eine ähnliche Vielschichtigkeit produziert Legl auch in seinen Gemälden und Zeichnungen. Räumlichkeit, Mehrdimensionalität wird hier erzeugt durch Schichtung von Farben oder Weichzeichnung mit dem Radiergummi. Manchmal ist es ein langer Schaffensprozess, bis der hohe ästhetische Anspruch des Künstlers zufrieden gestellt ist. Und wie um Ausgewogenheit in seinen Werken ist der Künstler auch um die Anordnung seiner Arbeiten im Raum bemüht.

Dass das Arrangieren weißer Plastiken auf dem weißen Boden des Künstlerhauses eine Herausforderung darstellt, ist der Komposition nicht mehr anzumerken. Wie auf einer Theaterbühne hat alles seinen festen Platz und scheint darauf zu warten, dass Betrachter die Kunstwerke zum Klingen bringen.

Bis 22. März dienstags bis freitags von 16 bis 18 Uhr, an den Wochenenden von 11 bis 13 Uhr im Künstlerhaus, Gotmarstraße 1 in Göttingen.