Künstlerhaus Göttingen
im Lichtenberghaus



09.01 – 30.01.2011
Hans-Rainer Milsch / Ursula Reimann

zu ihrer Erinnerung
Vernissage: 09.01., 11.30 Uhr


Begrüßung: Norbert Baensch

Einführung: Georg Hoppenstedt


Göttinger Tagfeblatt vom 15.01.11:
Brauner Rupfen auf grünem Grund
Kunst von Reimann und Milsch im Göttinger Künstlerhaus

Von Tina Lüers
Vergessen – der tägliche Zerfall von Erinnerungen“ ist der Titel einer Parabel aus Tempera, Gips, Schaumstoff und Fotos auf einer Platte von Hans-Rainer Milsch. Seine Skulpturen, Objekte, Gouachen und Figurinen werden derzeit gemeinsam mit Arbeiten auf Papier und Karton von Ursula Reimann im Weißen Saal des Künstlerhauses in Göttingen gezeigt. Die Ausstellung „Magie der Struktur“ erinnert an die beiden Künstler, die zusammen in Lütgenhausen lebten und sich im vergangenen Jahr nach langer Krankheit das Leben nahmen.
Die Elemente eines Systems sind untereinander verbunden. Ihre Beziehung ist zusammengefügt, geschichtet, gruppiert, entsteht neu und erhält sich. Räumlich und logisch wirken die Elemente zusammen, ihre Bezogen- und Verbundenheit verdeutlicht sich in der Struktur. Es ist auch die „Magie der Struktur“, die das Künstlerpaar Reimann und Milsch faszinierte, sie, die sich bei Atelierbesuchen kennenlernten, offensichtlich „in ihren Bann zieht“, so Georg Hoppenstedt zur Eröffnung der Ausstellung. Beide seien auf individuelle Art von Gegenständlichem ausgegangen und hätten eine malerische Sprache zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion gefunden, „die die Dinge zu Elementen einer Malstruktur transformiert und sie dabei mit neuen Bedeutungszusammenhängen auflädt“.
Brauner Rupfen liegt auf grünem Grund, einige Löcher in seiner Oberfläche sind gestopft, das Gewebe liege da wie aufgesetzte Farbflächen, ein weißer Flügel ragt heraus, herunter: „federleicht“ aus der Reihe Ikarusspuren von Milsch. Die Rückblende zeigt Schlaglichter auf sein Arbeiten von 1979, aus den 1990er Jahren, und aus den ersten Jahren des letzten Jahrzehnts. Der 1946 in Schwelm geborene Maler und Bildhauer studierte in Wuppertal und Düsseldorf, seit 1977 war er freischaffend tätig.

Verbindendes Element für Reimann und Milsch: Strukturen. Heller

Wie bei Milsch geben Reimanns Gouachen und Zeichnungen eine kleine Rückschau, die eine oder andere Arbeit tritt hervor und erinnert an die in Göttingen gezeigten Werke der Grafikerin und Malerin. Vier weiße Tassen, ein bunter Becher bieten formalen Anlass, Formen überlagern die Formen. Übergroße, grellbunte Gefäße auf übermaltem Grund waren 1994 in einer Einzelausstellung im Künstlerhaus zu sehen. „Aus dem stummen Haufen Dinge muss etwas kommen, ein Zeichen, ein Ausruf/ Aufruf, ein Wink. Ein Ding tritt aus der Masse der anderen Dinge hervor, um etwas zu bedeuten“, schrieb Christel Irmscher im Katalog zu dieser Ausstellung. Bisweilen nimmt sich der Gegenstand zurück, lässt den Zeichen, Spuren, den feinen Linien das Feld.