Künstlerhaus Göttingen
im Lichtenberghaus
Lienhard von Monkiewitsch, Arbeiten auf Holz und Papier,

1.3. - 3.5.2009

Eröffnung der Ausstellung: Sonntag, 1.3.2009 um 11:30 Uhr
Es spricht Michael Stoeber.

Das Göttinger Tageblatt schreibt:

Schwarzes Quadrat in den Raum überführt

Er wollte zum selbsternannten Vatermörder an Malewitsch werden. Das schwarze Quadrat spielt auch in der aktuellen Ausstellung von Lienhard von Monkiewitsch im Künstlerhaus Göttingen eine zentrale Rolle. Seit Sonntag sind seine Arbeiten auf Holz und Papier in Göttingen zu sehen.


Nur erkennbar aus dem richtigen Winkel: Flächenkonstellation von Lienhard von Monkiewitsch.

Ein schwarzes und ein grünes Viereck sind auf der Wand zu sehen. Einem entfernten Fluchtpunkt folgend sind es zwei Quadrate, übereinander gegeneinander versetzt. Das schwarze befindet sich unten, das grüne oben. In gleicher Weise sind unweit eine gelbe, eine blaue und eine rote Fläche zu vier schwarzen gesetzt. „Schwarz-Grün verspringend“ tritt dem Betrachter das flache Wandobjekt entgegen, scheint zu schweben, getreppt sich zu lösen, von der Wand abzuheben. Dieser tiefenräumliche Eindruck entsteht durch einen kleinen schrägen Versatz in der grünen Fläche an der Stelle, wo die zwei Vierecke aufeinander treffen. Es springt das untere hervor, das obere scheint zurück zu stehen. Der emeritierte Braunschweiger Universitätsprofessor Lienhard von Monkiewitsch hat die Farbflächen aus dünnen mitteldichten Holzfaserplatten gesägt, mit Acryl und Dispersion matt und deckend bemalt. Die Art der von ihm erzeugten räumlichen Illusion verweist auf die Op-Art der 60er Jahre, doch dies ist nur ein vordergründiger Reiz irritierender Seherfahrung, hervorgerufen durch gegensätzliche Komponenten. Die Arbeiten weisen weiter zurück, augenfällig in geometrischer Ausrichtung auf Konstruktivismus, Suprematismus und konkrete Kunst. Der konstruktive Bildbau nutzt das lang bespielte schwarze Quadrat als Startbasis und nimmt es mit in den Raum. So dehnt sich im „Gestuften Raum“ eine schwarze Fläche regelmäßig zu den Seiten aus, mal scheint der matte Farbgrund sich aufzuwölben, auf den Betrachter zuzubewegen, dann wieder entzieht er sich dem Zugriff und bleibt plan. Die Ebenen verschränken sich gegeneinander, manchmal schimmert ein Abglanz der schwarzen Gründe wie durch Plexiglas in den oberen Farbflächen auf. Wände sind wie Architekturen gegeneinander gestellt, bespielen den Raum, mal abstrakt, mal wie im Bühnenbild oder in Anlehnung an Frank Stella als grundsätzliches Thema. Bei der konstruktiv-konstruktivistischen Herangehensweise, die jederzeit präzise vermess- und auslotbar ist, wird jedoch neben der Fläche und dem Raum auch immer wieder die Kunstgeschichte umspielt, ihre Diskurse malerisch weitergedacht und dekonstruiert. Hier weisen die Arbeiten nach vorn statt zurück. Die gezeigten Werke gehören zu den reduzierteren, was der Ausstellung gut tut. Das Beharrliche in der Auseinandersetzung ist es nicht zuletzt, was die Konstruktionen weiter vorantreibt, das Raumthema, die formalen Qualitäten und, sehr immanent, die Geschichte der Kunst auseinandernimmt. Die Ausstellung ist bis zum 3. Mai im Künstlerhaus, Gotmarstraße 1, dienstags bis freitags von 16 bis 18 Uhr, sonnabends und sonntags von 11 bis 13 Uhr zu sehen.

Tina Lüers