Künstlerhaus Göttingen
im Lichtenberghaus


07.08. - 04.09.11
Irene Pregizer
- inter_regio -



Zur Eröffnung der Ausstellung am Sonntag, den 07.08.2011 um 11.30.Uhr laden wir Sie und Ihre Freunde herzlich ein.

Begrüßung: Erhart Schröter
Einführung: Anja Marrack, Kunsthistorikerin

Göttinger Tageblatt vom 09.08.2011
Romantisches Licht auf vorbeiziehenden Landschaften
„inter_regio“: die Northeimer Künstlerin Irene Pregizer stellt im Künstlerhaus Göttingen aus
Von Anna Kleimann
Im Künstlerhaus Göttingen fahren Züge an den Wänden. Mal rauschen sie vorbei, mal kriechen sie entschleunigt ins Bild, mal scheinen sie nur einen Wimpernschlag entfernt zu sein. Obwohl man meinen könnte, die Northeimer Malerin Irene Pregizer verbringe viel Zeit auf Reisen in den rumpelnden Blechraupen, ist es kein Faible für das Dingliche, das sich in ihrem Bilderzyklus „inter_regio“ niederschlägt. Es ist der Fokus auf die Bewegung, den Blick und die Metaperspektive.
Spuren im Schnee: winterlicher Industriehof, gesehen aus dem Zugfenster. Heller
Der Verdacht auf einen sozialkritischen Hintergrund kommt bei all den urbanen und industriellen Anklängen schnell auf. In der Tat stecke „eine ganz Menge davon dahinter“, sagt Pregizer. Aber die Werke klagen nicht an, tragen keine Botschaft und schlagen nicht um sich. Es sind feinere Spuren, die sich in den realistisch abbildenden Großformaten verbergen. Zwischen die Zugbilder als verbindende Momente schieben sich erhaschte Eindrücke, landschaftliche Weitwinkel, verlassene Industriekomplexe mit dem Titel „Melancholia“, Augenblicke, die wie aus einem Fenster heraus wahrgenommen werden. „Dieses ganze Nach-einem-Gegenstandspunkt- Suchen“ stehe auf demPrüfstand, sagt die gebürtige Argentinierin. So einfach wie es aussieht, soll es dann doch wieder nicht sein.

I. Pregizer
Und dabei sehen die Acrylmotive auf den Leinwänden so versöhnlich aus. Besonders die Schafe. Eine 13-teilige Serie zeigt die Tiere auf der Weide, während sie einem Vorbeifahrenden direkt ins die Augen blicken. Ein flüchtiger Kontakt bevor sie ihren Kopf wieder ins Gras stecken. Unterbrochen werden die Schaf-Porträts
nur von Bahngleisen, die sich mal von hier und mal von dort durch die wilde Landschaft schlagen. Die kleinformatigen Ausschnitte wirken wie die Fensterreihen der Waggons. Hier und da ist ein Schliere, eine beschlagene Fläche und woanders sind Regentropfen zu sehen, die alsZwischenebenen auftauchen und den Blick zurückwerfen.
Und wenn es um die Reise geht, um die Schönheit der Natur, die Pregizer neben den Gleisen, in den Schneelandschaften, auf den Schaf- und Pferdeweiden und über den weiten Horizonten aufscheinen lässt, dann geht es immer auch um die Romantik. Viele Szenen werden von zartem roséfarbenen Licht berührt, das eine Stimmung des Übergangs schafft, die die Wirkung der Bewegung und des Wandels noch verstärkt. „Das ist ein Hang von mir“ gibt sie zu. „Heute ist alles cool, alle sind Single. Mir geht es umdie Frage, kann man das Sehnen zeigen?“