Künstlerhaus Göttingen
im Lichtenberghaus

Obere Galerie
12.01. – 09.02.14
Erhart Schröter
ACCIDENTS by accident

Eröffnung: 12.01.14, 11:30 Uhr
Einführung: Kunsthistorikerin Belinda Grace Gardner, Hamburg

Künstlergespräch mit Erhart Schröter: So. 02.02.14, 11:30 Uhr

Das malerische Projekt kreist um den Begriff Unfall/ Vorfall als plötzliches Ereignis und was das der Begriff Zufall damit zu tun hat. Unfälle (accidetnts ) passieren unverhofft, sind dynamisch gewalttätig in der Aktion und katastrophal endgültig in ihren Folgen. Die Malerei, die hier gezeigt wird, hat etwas von dieser Dynamik und zeigt Verletzungen auf, auch psychologische, von denen unsere heutige Welt geprägt ist. Es besteht eine Gleichzeitigkeit von Gewalt, Krieg, Hunger in anderen Ländern zur technologischen Perfektion unserer Konsumwelt. Das Surfer - Zeitalter schickt seine Verlockungen voraus.

Aggressive Malerei ist die Antwort, mit der ich mich innerlich zur Wehr setze. Sie bildet die Fortsetzung meine abstrakte Malerei in der Ausstellung VIS a VIS ( 2007) im Künstlerhaus mit einer neuen thematischen Zuspitzung in großformatigen Malereien.
„Accidents“ bezeugen ihre Gegenständlichkeit in abstrakten Formen, die plötzlich in ihrer Bedeutung umschlagen in realitätsnahe Assoziationen. Serielle Bildfolgen erhalten semantisch durch die Veränderung gewohnter Sichtweisen neue Perspektiven und eine ungewohnte Doppelbödigkeit. Bildflächen beginnen diagonal wegzubrechen. Augenblicke von Alltagsgeschehen werden brüchig durch Einblicke von oben, Schräglagen oder Verunsicherungen der Horizonte. Accidents nennt sich eine Folge von großformatigen Bildern ,die die Plötzlichkeit der Katastrophe visualisiert. Eine Bilderfolge “ Lampedusa „ bezieht die menschliche Dimension mit ein: flüchtende Menschenströme, brennende Schiffswracks und Wasserbilder auf dem Meeresgrund. Die Aleppo-Serie schließt sich mit kleinformatigen Bildern und Collagen an.
Plan- Quadrate werden wie ein Raster über die Landschaften gelegt, von oben betrachtet aus der Sicht von Satteliten oder vernetzten Organisationsstrukturen. Bildausrisse erinnern an Zerstörung. Naturkatastrophenschließen sich an. Unfälle können auch Staudämme treffen, die wassergewaltige Flutwellen erzeugen. Hier greift die Gegenwart banal und alltäglich ein und schafft mit rasantem Tempo Veränderung und Umdeutungen, zu denen sich auch die Kunst äußern kann.

Erhart Schröter, 1938 in Frankfurt /Oder geboren, studierte Kunstgeschichte, Germanistik und absolvierte ein Kunststudium an der HfbK Kassel, Lehramt Malerei bei Prof. Fritz Winter und Frau von Rogister. Er war Dozent für Kunst und Medien an der Georg August Universität Göttingen.
Seit 1998 ist er freischaffender Künstler in Göttingen
www.erhartschroeter.de