Künstlerhaus Göttingen
im Lichtenberghaus
07.07 - 07.08.11
Christoph-Peter Seidel
- Grün und Weiß -




Göttinger Tageblatt vom 11.07.11:
Tektonische Platten und viel Farbe
Christoph Peter Seidel im Göttinger Künstlerhaus
Vorsicht ist geboten beim Eintritt in das Künstlerhaus in der Gotmarstraße, denn gleich hinter der kurzen Treppe liegt es schon – das Werk, an dem Christoph Peter Seidel acht Monate gearbeitet hat. Die Bodeninstallation misst über 24 Quadratmeter und ist dominantes Element der Ausstellung „Grün und Weiß“, die jetzt im Weißen Saal eröffnet wurde.
Von Telse Wenzel

Eigens für diesen Raum hat der 1964 geborene Künstler die Arbeit geschaffen. 13 Platten stoßen aufeinander, schieben sich übereinander und ergeben gemeinsam eine Fläche. Und die ist weder Quader noch Kreis, genau wie die einzelnen Platten widersetzt sie sich der geometrischen Einordnung. Pastose Acrylschichten sind auf der Oberfläche aufgetragen und ergeben Farbinseln, die miteinander über die Grenzen der Platten hinweg verbunden sind, dann wieder in Form und Farbe zueinander im Kontrast stehen. Geordnet und harmonisch ist hier nichts, wer den symmetrisch angelegten Vorgarten liebt, wird nicht glücklich mit Seidels Arbeit.

Mehr als nur grün und weiß: Pulsierende Farben prägen Christoph Peter Seidels Bodeninstallation. © Heller


Assoziationen zur freien Natur und zu Naturkräften ergeben sich gleich beim Hereinkommen – unterschiedliche Grüntöne dominieren die breite Farbpalette, die Anordnung der Platten ruft die Erinnerung an tektonische Platten und ihre Bewegungen auf. Kraftvoll, pulsierend wirkt auch der Auftrag der Farbe, mit dem Seidel an Techniken des Expressionismus anknüpft. Die Idee des Gesamtkunstwerks klingt an, denn Gemälde und Texte treten hinzu, beziehen den Raum mit ein und arbeiten den Gattungsgrenzen entgegen. Die Zitate an den Wänden stammen aus dem titelgebenden Essay „Grün und Weiß. Das Wappen dieses Gartens“ von Philippe Jaccottet. Große Teile der Bodeninstallation sind weiß belassen, die Rahmung ist sichtbar und wiederholt die Linien der Fugen am Boden. Es scheint, als wollten die Farbinseln ihren Platz direkt im Weißen Saal einfordern. Die unterschiedlichen Ebenen des Werks einzeln und in ihrem Zusammenspiel auf sich wirken zu lassen ist spannend. Und je länger man sich auf sie einlässt, desto mehr können sie erzählen. Von pulsierendem Leben zum Beispiel, Wachstum oder Zerstörung. „Grün und Weiß“ spricht dabei nicht so sehr den Intellekt an, sondern will vor allem die Vorstellungskraft des Betrachters wecken – und das geht voll und ganz auf.