Künstlerhaus Göttingen
im Lichtenberghaus
Michael Steup, 09.05. - 18.06.09

Zur Eröffnung der Ausstellung
laden wir Sie herzlich ein.

Samstag, 09.05.2009
11.30 Uhr

Das Göttinger Tageblatt vom 16.05.09:

Granit ohne Ecken und Kanten
Von Tina Lüers
Wie angeknabberte Knäckebrotscheiben eines Riesen liegen die Steinplatten auf dem rauen Boden des Künstlerhauses. Hier fehlt ein Stück, halbrund abgebissen, dort wölbt sich eine kreisrunde Delle hervor, es folgt ihr Negativ, ein Loch. Ganz am Ende steht eine Halbkugel wie ein Hügel allein und etwas abseits der übrigen Scheiben. Ausgewandert. Doch der Vergleich mit dem schwedischen Knusperbrot hinkt, bisse man sich doch auf jeden Fall die Zähne aus an diesen Platten: Granitblöcke sind das Arbeitsmaterial von Michael Steup. Der in Göttingen geborene Bildhauer hat in Hannover studiert und war 2005 Meisterschüler bei Bernhard Garbert. Den norwegischen, schwedischen, mal indischen oder ostasiatischen Granit in seinen verschiedenen Schattierungen bekommt er beim Steinmetz. Aus den Blöcken holt er Formen hervor, die man in ihrer Weichheit und Beweglichkeit darin nicht vermuten würde.
Ornamentale Zeichen
Sie bewegen sich im Spannungsfeld von Inhalt und Form, von Material und Möglichkeit, von klassischer Strenge und Gestaltungswillen. Eine vierkantige Stele bläht sich in der Mitte auf, bis ihr Körper zu einem prallen Rund ohne Ecken und Kanten anschwillt. Eine andere Stele ist wie zu einem fast ornamentalen Zeichen behauen. Dem starren Sein ist Schlag um Schlag, an der grob strukturierten Oberfläche gut erkennbar, die mal weiche, runde, mal abgezirkelt gebogene Form abgerungen worden. In dem Widerspruch von Material und Form, von Bewegung und skulpturaler Reglosigkeit entspringt ein gut bekannter Moment des Staunens.