Künstlerhaus Göttingen
im Lichtenberghaus

Obere Galerie
10.08. – 07.09.14
Mia Unverzagt
Messen - Wiegen - Ordnen

Eröffnung: 10.08.14, 11:30 Uhr
Einführung: Ludwig Seyfarth, Kurator, Berlin

Ausstellungsbegleitende Veranstaltungen:
Sonntag 17.08.2014,15.00Uhr: Dialogische Führung durch die Ausstellung
mit Ingmar Lähnemann (Kurator, Städtische Galerie Bremen) und Mia Unverzagt
Treffpunkt im Foyer

Samstag 06.09.2014, 15.00Uhr: Öffentliches Gespräch über MESSEN - WIEGEN – ORDNEN
mit Raimar Stange (Kurator, Berlin) und Mia Unverzagt
Treffpunkt am Marktplatz vor dem alten Rathaus (bei schlechtem Wetter im Künstlerhaus

Sonntag 07.09.2014,14.00-18.00Uhr: Workshop Tableaux Vivantes „Werte und Normen“
Treff und Anmeldung im Künstlerhaus, begrenzte Teilnehmer_innenzahl
Anmeldung bitte per Mail an: kuenstlerhaus.goettingen(at)t-online.de
Die Veranstaltungen werden vom Landschaftsverband Südniedersachsen e.V. unterstützt.

Die intermedial angelegte Ausstellung “MESSEN -WIEGEN – ORDNEN” der Bremer Künstlerin Mia Unverzagt untersucht spielerisch die gesellschaftlichen Ordnungsmuster in denen wir uns alle bewegen und geht der Frage nach, wie diese Strukturen hergestellt werden und wie sie verändert werden können.

In vielen ihrer Arbeiten konstruiert Mia Unverzagt Räume, in die sie Menschen zum Mitmachen einlädt. Innerhalb dieses Rahmens, den diese Räume vorgeben, sind die Teilnehmer_innen frei sich zu bewegen wie es ihnen richtig erscheint.

Im Fall von „MESSEN – WIEGEN - ORDNEN“ handelt es sich um einen Raum, in dem sich neben Bergen von Kleidungsstücken, Stoffen und Dingen auch eine größere Menge von Gegenständen befindet, mit denen man messen und wiegen kann. Nach dem die Teilnehmer_innen sich aus einer überschaubaren Menge von Hauskleidern aus den 1940-70er Jahren etwas ausgewählt haben, was sie tragen wollen, hat die Künstlerin sie gebeten, die im vorbereiteten Raum vorhandenen Dinge zu messen, zu wiegen und zu ordnen. Dabei hat Unverzagt ihre Mitspieler_innen während mehrerer Stunden mit einer analogen Spiegelreflexkamera begleitet.

Auf einer weiteren Fotoserie in der Ausstellung sind Architekturdetails zu sehen, die an einem anderen Tag, einem anderen Ort und ohne Menschen aufgenommen wurden. Durch Farbigkeit und Stimmung gehen diese Aufnahmen eine enge Verbindung mit den Bildern der Fotoperformance ein.

Als drittes Element der Ausstellung gibt es Reproduktionen von Strichzeichnungen, die aus Büchern stammen, in denen die Welt, ihre Funktionsweise und das angemessene Verhalten in der Gesellschaft erklärt werden. Die Bücher kommen, wie die Kleidungsstücke der Protagonist_innen, aus der Zeit zwischen 1940 und 1970.

Das Konzept der Ausstellung „MESSEN – WIEGEN – ORDNEN“ beruht unter anderem auf der Idee, dass die Werte und Normen der Nachkriegszeit in Westeuropa, die seit den 70er Jahren oberflächlich starke Veränderungen erlebt haben, auf einer bildhaften, nichtsprachlichen, unterbewussten Ebene weit länger nachgewirkt haben und immer noch spürbar sind.
Das unerklärte und rätselhafte Tun der Protagonist_innen der Fotoperformance bleibt in der Ausstellung unaufgelöst. Auch die Zusammenhänge zwischen Kleidung, Raum, Messgeräten, Ordnugsstrukturen, Gestik, Mimik, Architektur und Körpern werden nicht erklärt, sondern nur angedeutet und bleiben als Fragen an die Betrachter_innen stehen.

Workshop Tableaux Vivantes „WERTE UND NORMEN“
Wollten Sie Sie immer schon mal Teil eines Kunstwerkes sein? Oder selbst Kunstwerke gestalten? Vielleicht gemeinsam mit anderen?
In ihren Workshops lädt die Künstlerin Menschen aus verschiedenen Kontexten ein und erarbeitet mit ihnen partizipative Performances im Bereich der inszenierten Fotografie. Die Teilnehmenden erstellen zusammen mit der Künstlerin verschiedene Tableaux Vivants, das heißt die Gruppe überlegt gemeinsam an einem Thema, dass die bildnerisch umsetzen möchte und entscheidet auch gemeinsam über die formalen Fragen bei der Umsetzung. Für die Themenwahl können sich die Teilnehmenden mit ihren eigenen Geschichten einbringen.
In einer kleinen Gruppe werden wir uns die Arbeiten der aktuellen Ausstellung im Künstlerhaus genau ansehen und einen Blick hinter die Kulissen werfen, um herauszufinden, wie die Künstlerin arbeitet und was dabei für uns interessant sein könnte. In einem zweiten Schritt tauschen wir uns über eigene Geschichte(n) zum Thema Werte und Normen aus und entwickeln Bildideen. Mit diesen Ideen arbeiten wir weiter, stellen sie gemeinsam als stille Bilder nach und dokumentieren die so entstehenden Tableaux Vivantes fotografisch. Weitere Informationen zu Ablauf und Thematik des Workshops erhalten die Teilnehmer*innen nachdem sie sich angemeldet haben.