Künstlerhaus Göttingen
im Lichtenberghaus

04.03. – 08.04.12
Johannes Wildermuth
- ROH -

Vernissage: 04.03., 11:30 Uhr

Göttinger Tageblatt vom 05.03.2012:
Objekte und Performance von Johannes Wildermuth

"ROH“ heißt die Ausstellung von Johannes Wildermuth, die am Sonntag, 4 im Göttinger Künstlerhaus eröffnet wurde. Bei der Vernissage gab der Künstler mit Texten, einer Zeichnung und Cello-Klängen einen Einblick in seine Gedanken bei der Entstehung der gezeigten Objekte.

Göttingen. Dadurch wurde deutlich, dass es sich hier zwar um zum Teil nur grob bearbeitete Materialien handelt, die möglicherweise mit dem Begriff „roh“ zu verbinden sind. Im Hintergrund und auch in der Bearbeitung stecken jedoch vielfältige, feinsinnige Ideen und ein intensiv gedanklich begleiteter Entstehungsprozess.


Aufgebrochen oder schützend: Objekte von Wildermuth. © Vetter

Der Entstehungsprozess selbst ist ein wesentliches Anliegen Wildermuths, der kürzlich sein Kunststudium in Kassel abgeschlossen hat. So wurde aus den Texten deutlich: Das verwandte Material als „Potentialträger“ für Entwicklungen und Neues ist es, was diesen Künstler interessiert. Die Rohheit zeigt bei ihm ein enormes kreatives Potential. Akustisch untermalte Wildermuth diese Idee mit Cello-Klängen, die auf ihre Weise eine vielversprechende Ausgangsbasis für Musik bildeten, ohne selber bereits im klassischen Sinne Melodie oder Rhythmus zu sein. Auch hier stand der Aspekt des Potentials, das in diesem Klanghaufen steckte, im Mittelpunkt.

Zu sehen sind in der Ausstellung unterschiedliche Objekte, für die der Künstler wiederkehrend Materialien wie Bauschaum, Verbandsmaterial oder Folie nutzt. Mal vermitteln sie einen schützenden, heimeligen Eindruck wie ein muschelförmiges Gebilde, mal erinnern sie an aufgebrochene oder verwesende Gegenstände. Jedes Stück zeigt damit einen Teil des Prozesses von Werden, Vergehen und daraus entstehendem Neuem.

Der kreative Prozess zwischen Werden und Vergehen wurde unmittelbar erlebbar an einem Werk, bei dem eine Heizspirale eine Platte Karamell erhitzte. Während die ursprüngliche Platte knackend und schmelzend ihren Ausgangszustand bald hinter sich ließ, entstand aus dem zähflüssigen, tropfenden Karamell ein neues Gebilde, das es nun zu Betrachten gibt. Welchen der Zustände man nun als „roh“ bezeichnen mag, liegt im Auge des Betrachters.

Von Isabel Trzeciok