Künstlerhaus Göttingen
im Lichtenberghaus
vorgestellt

07.05. - 14.06.09, Weißer Saal

Susanne Voigt, 07.05. - 24.05.09

Göttinger Tageblatt vom 09.05.09:
"Kultiviert nachempfundene Malerei" ... weiterlesen ...

Petra Krack, 28.05. - 14.06.09

Göttinger Tageblatt vom 04.06.09:
"Malerei hinter dem Sujet" ... weiterlesen ...

Petra Krack ist eine Malerin, bei der das Ringen um die Form- und Farbfindung im Malprozess eine inhaltliche Bedeutung erhält. Die Stadt wird in der Malerei von Petra Krack zum Dschungel, zur Metapher gegenwärtiger Überreizung und Orientierungslosigkeit des Menschen. Dieses Thema hat sich als Essenz aus der ihr eigenen Malweise entwickelt. In spontaner, unmittelbarer Reaktion und Gegenreaktion auf Entstehendes entwickelt sich bei ihr ein Malprozess, in dem sich die Elemente von grellfarbigen Linien und grau vermischten Flächen immer mehr ineinander verstricken, sich überlagern und überdecken, bis eine Textur entsteht, die diesen Prozess als Lebenserfahrung spiegelt. Petra Kracks Malerei wird zum Ausdruck des nervösen, im Überreiz der Möglichkeiten sich verlierenden Menschen der Gegenwart, sinnbildlich geworden in dem Motiv des Molochs Großstadt.


Zur Reihe "vorgestellt"
Der Verein, der das Künstlerhaus trägt, hat es sich zur besonderen Verpflichtung gemacht, die Kunst zu fördern, wo sie entsteht, d. h. den Künstlerinnen und Künstlern dieser Region Ausstellungsmöglichkeiten zu geben und das Künstlerhaus zu einem Forum für die Auseinandersetzung mit der aktuellen Kunst zu machen.

Wir möchten mit der Reihe „vorgestellt“ den Blick auf Kunstschaffende richten, die noch zu entdecken sind, deren Arbeit wir für beachtenswert halten. Sie sollen damit eine Chance erhalten, sich mit ihrer Arbeit zur Diskussion zu stellen. Es ist eine ganz wichtige Erfahrung für den Prozess des Kunstschaffens, die eigene Arbeit auf dem Prüfstand der Kritik zu erleben. Selbst bei einem negativen Ergebnis kann dies im Sinne einer Entwicklung hilfreich sein. Wir wollen mit dieser Reihe gewissermaßen Basisarbeit leisten, wollen Ermunterung und Ansporn für eine eigenständige Beschäftigung mit Kunst geben.

Zum einen möchten wir in dieser Reihe junge Talente vorstellen, die vielversprechende Ansätze zeigen aber noch in der Entwicklung sind und denen gerade dabei eine kritische Auseinandersetzung klärende Hilfe bedeuten kann. Zum anderen möchten wir Menschen vorstellen, die sich mit Kunst beschäftigen, indem sie selbst künstlerisch tätig sind, ohne es zu ihrem Beruf zu machen, und die dabei in eine Auseinandersetzung mit der aktuellen Kunst eingetreten sind, wie man es von professionellen Künstlern erwartet.


Rezensionen:

Göttinger Tageblatt v. 09.05.09 zur Ausstellung von Susanne Voigt:

Kultiviert nachempfundene Malerei

Susanne Voigt hat sich mit der Kunstgeschichte befasst. Das zeigen ihre Bilder deutlich, die sie derzeit im Künstlerhaus Göttingen präsentiert. Am Donnerstagabend hat Organisator Georg Hoppenstedt die Schau eröffnet, die Teil einer Doppelveranstaltung ist. Unter dem Titel „Vorgestellt“, ein Forum für unbekannte Künstler, folgt am Donnerstag, 28. Mai, die Ausstellung „Stadt-Landschaften“ mit Malerei von Petra Krack. Voigts Bilder locken durch ihre Farbigkeit. Sie arbeitet Komplementärkontrasten: Rot und Grün, Blau und Orange, Gelb und Violett. Gemischt ergeben sie ein eher unattraktives Graubraun, nebeneinander gesetzt bringen sie nach der Farbenlehre die größte Farbdynamik. Es gibt eine Reihe von Beispielen aus der Kunstgeschichte, in denen Künstler den Komplementärkontrast bewusst eingesetzt haben, zu den ersten zählten die Expressionisten zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Doch wo Maler wie Ernst Ludwig Kirchner tatsächlich sehr dynamische und kraftvolle Werke schufen, malt Voigt, die in Badenhausen nördlich von Osterode lebt, eher zurückhaltend. Die Farbigkeit ihrer Bilder verströmt eine eher ruhige Atmosphäre. Reste von Landschaft wie Horizontlinie oder Andeutungen von Bäumen werden dabei zu Zeichen, die Malerei entfernt sich vom Gegenstand, um selbst Gegenstand der Kunst zu werden. Eröffnungsredner Hoppenstedt nennt das „Autonomie der Mittel“ oder „vom Abbildzwang befreite Farbe“. Für ihn arbeitet Voigt an Wurzeln, die kraftvoll genug seien, dass immer wieder etwas aus ihnen wachsen könne – Innovation allerdings nicht. Voigt empfindet Malerei nach. Das allerdings gelingt ihr sehr geschickt und kultiviert. pek

Göttinger Tageblatt v. 04.06.09 zur Ausstellung von Petra Krack:

Malerei hinter dem Sujet

Von Peter Krüger-Lenz
Die Lichter flirren, Autos brummen vorbei, ein Straßenbahn quietscht ohrenbetäubend in den Gleisen. Dazwischen tummeln sich Motorräder und Radfahrer, Fußgänger hasten vorbei. Das hektische Treiben beginnt, vor den Augen zu verschwimmen. So funktionieren die Bilder der Göttinger Malerin Petra Krack, die der Verein Künstlerhaus in der Reihe „Vorgestellt“ in seinem Weißen Saal in der Gotmarstraße 1 in Göttingen derzeit präsentiert. Konsequenter Weise hat Krack ihre Schau „Stadt -Landschaften“ genannt. Grau ist die dominierende Farbe in den Arbeiten Kracks. Graue Straßen, graue Häuser, alles ein wenig trostlos. Bedeutend weniger trostlos wirken die Bilder, wenn man sich nähert. Dann zeigen sie nämlich abseits des Sujets ihre handwerklichen Qualitäten. Denn Krack hat in einem vielschichtigen Malprozess Linien, Flächen und Farbflecken miteinander verwoben und so ein spannungsreiches Geflecht entwickelt, das tragfähiger ist als das in den Bildern anklingende Lamentieren vom überreizten und überforderten Menschen.