Künstlerhaus Göttingen
im Lichtenberghaus
vorgestellt 2010

Mit der Reihe „vorgestellt“ wollen wir den Blick auf Kunstschaffende richten, die noch zu entdecken sind, deren Arbeit wir für beachtenswert halten. Sie sollen damit eine Chance erhalten, sich mit ihrer Arbeit zur Diskussion zu stellen. Wir wollen mit dieser Reihe gewissermaßen Basisarbeit leisten, wollen Ermunterung und Ansporn geben für eine eigenständige Beschäftigung mit Kunst.

Zum einen möchten wir in dieser Reihe junge Talente vorstellen, die viel versprechende Ansätze zeigen, die aber noch in der Entwicklung sind und denen gerade dabei eine kritische Auseinandersetzung klärende Hilfe bedeuten kann. Zum anderen möchten wir Menschen vorstellen, die sich mit Kunst beschäftigen, indem sie selbst künstlerisch tätig sind, ohne es zu ihrem Beruf zu machen, und die dabei in eine Auseinandersetzung mit der aktuellen Kunst eingetreten sind, wie man es von professionellen Künstlern erwartet.

Im Zeitraum vom 6. Mai bis zum 27. Juli werden in 3 Folgen insgesamt 6 Künstlerinnen vorgestellt. Es werden immer zwei Kunstschaffende in einer Folge hintereinander gezeigt, die eine inhaltliche oder formale Gemeinsamkeit aufweisen, wodurch die individuelle Differenzierung für die Betrachter deutlicher zu erkennen wird.

Bei den beiden Künstlerinnen der ersten Folge, handelt es sich um zwei Malerinnen, die ein spontaner, emotional gesteuerter Malprozess verbindet, aber in der Ausformung auch wieder unterscheidet.

Folge I

06.05. - 16.05.10
Liane Seven-Gubitz
Farbe-Bewegung-Konfrontation
Malerei
Liane Seven-Gubitz lässt sich in ihrer Malerei von der Inspiration des Augenblicks treiben und führt uns in ein konfliktreiches Mit- und Gegeneinander der Bildmittel Farbe, Malstruktur und gestische Bewegung. Der unmittelbare Auftrag des Farbmaterials auf die weiße Leinwand löst bereits ein beziehungsreiches Spiel zwischen der Entfaltung der Farbmodulation und dem weißen Grund aus. Man sieht den lebendigen Prozess in dem die Farben im Auftrag verdunkelt oder aufgehellt oder mit Gegenfarben vermischt werden, sich wie Fronten zusammenballen und dabei häufig zu einer dominanten gestischen Linienbewegung geführt werden. Farbe und Pinselzüge entwickeln einen dynamischen Diskurs bis hin zur Konfrontation und können damit ein dramatisches seelisches Erleben beschwören.

Göttinger Tageblatt, 08.05.2010:

„Kräftemessen der Elemente“
Malerei von Liane Seven-Gubitz im Künstlerhaus
Basisarbeit“ nennt Georg Hoppenstedt das, was er mit der Einrichtung der Ausstellungsreihe „Vorgestellt“ leistet.
Dynamische Malerin: Liane Seven-Gubitz. © Pförtner

Kunstschaffende, die nicht an Kunsthochschulen studiert haben, denen ein Ausstellungsforum fehlt und die dennoch interessante Arbeiten vorweisen können, präsentiert der Künstler Hoppenstedt im Weißen Saal des Künstlerhauses Göttingen.

Mit der Schau „Farbe – Bewegung – Konfrontation“ der Malerin Liane Seven-Gubitz startete die diesjährige Reihe, an der sechs Künstler beteiligt sind. Seven-Gubitz schickt Farben in den Ring. Mit viel Dynamik jagt sie Primärfarben aufeinander los. Blau streitet mit Gelb, Rot mischt sich ein, ein „Kräftemessen der Elemente“ nennt Hoppenstedt dies. Hier fliegen die Fetzen. Mit gestischem Schwung bringt sie das Farbmaterial energisch auf die ungrundierte Leinwand. Oft scheint Weiß an den Rändern durch.

Spontan setzt sie die satten Pinselstriche, prozesshaft arbeitet sie dabei. Das Bild entsteht während des Malens, eine Skizze gibt es nicht. Immer wieder dreht sie den Malgrund, Farbverläufe in unterschiedliche Richtung verraten, dass Seven-Gubitz sich zu erst einmal wenig um oben oder unten schert.

Schon als Kunstgeschichtsstudentin habe sie angefangen zu malen, erzählt die 58-Jährige. Der legendäre Henry Hinsch habe sie damals zum „Kreis 34“, einer heute noch existierenden Vereinigung ambitionierter Göttinger Freizeitmaler, gebracht. Doch ihr Anspruch an sich selbst sei damals zu hoch gewesen, um die Malerei ernsthaft weiter zu verfolgen.
Inzwischen arbeitet sie als Kunsttherapeutin am Asklepios-Fachklinikum Göttingen. Seit einigen Jahren malt sie wieder ernsthaft mit einem eigenen Atelier und Fortbildung in Malkursen. Dass das Früchte getragen hat, zeigen die kraftvollen Arbeiten dieser gelungenen Auftakt-Ausstellung.

Die Ausstellung läuft bis Sonntag, 16. Mai, im Künstlerhaus Göttingen, Gotmarstraße 1. Sie ist dienstags bis freitags von 16 bis 18 Uhr, an den Wochenenden von 11 bis 13 Uhr zu sehen. Fortgesetzt wird die „Vorgestellt“-Reihe mit Bildern von Christine Fuchs unter dem Titel „Farb-Struktur-Netze“. Die Ausstellung wird am Donnerstag, 20. Mai, um 19.30 Uhr eröffnet. [Peter Krüger-Lenz]

20.05. - 30.05.10
Christine Fuchs
Farb-Struktur-Netze
Malerei
Christine Fuchs entwickelt ihre Bilder ebenfalls aus dem Fluss des Malprozesses. Bei ihr entstehen inspirierende Zufallsstrukturen aus dem Übereinanderlegen von Farbschichten und eincollagiertem Papier- und Strukturmaterial. Wie in einem Netz werden die divergierenden Elemente miteinander verknüpft. Sie sucht die Integration der Farben und Strukturen und krönt sie im harmonischen Zusammenklang.

Göttinger Tageblatt, 25.05.2010:
Acrylbilder von Christiane Fuchs im Künstlerhaus

Fernab von figürlicher Malerei ist es räumliche Tiefenwirkung, die die Acrylbilder von Christine Fuchs kennzeichnen. In einer forschen Suche nach Widersprüchen ergründet die Künstlerin solche Wirkungen und malerische Gegensätze mit dynamischen und filigranen Elementen.


Emotionales Malen: Christiane Fuchs mit einem ihrer Bilder.

© SPF

„Farb-Struktur-Netze“ heißt ihre Ausstellung, die jetzt im Künstlerhaus Göttingen eröffnet wurde.

Nach einer Schau der Künstlerin Liane Seven-Gubitz ist Fuchs nun die zweite Malerin, die in der Reihe „Vorgestellt“ ihre Werke im Künstlerhaus präsentiert. Für die kleine Publikumsschar, die sich im Weißen Saal des Künstlerhauses eingefunden hatte, erläuterte Organisator Georg Hoppenstedt die Malweise von Fuchs und kontrastierte sie mit der Arbeitsweise von Seven-Gubitz. Einen „spontanen, emotional gesteuerten Malprozess“ bescheinigte er beiden Künstlerinnen. Ein Übergewicht der Unterschiede wird jedoch deutlich, als Hoppenstedt auf einzelne Werke eingeht und die Aufmerksamkeit auf ein unscheinbares, blau nuanciertes Bild lenkt.

Anstatt Farben zu vermischen, setze Fuchs lasierende Schichten übereinander „wie archäologische Schichtaufnahmen“, erklärt Hoppenstedt und verweist auf die Wirkung des unter Blautönen hervorschimmernden roten Untergrundes. Strukturen aus dünnem Papier, Ansätze von Collagen, Fließbewegungen der Farben sind ebenso Teil des komplexen Miteinanders, wie die durch Hell-Dunkel-Kontraste erzeugte Bildtiefe. Figürliche Aspekte und Raumtiefe entstünden jedoch „eher zufällig“, erklärt die Künstlerin. „Ich möchte den Betrachter animieren, eigene, innere Bilder zu entwickeln“, erläutert Fuchs, die zu Beginn ihres Kunstschaffens vor zwölf Jahren auch mit anderen Stilmitteln experimentierte.

Die ärztliche Psychotherapeutin hat in zahlreichen Kursen auch Bildhauerei und figürliches Zeichnen kennen gelernt und widmet sich seit 2006 ausschließlich der abstrakten Malerei. Sie zeigt auf ihr Lieblingsbild der Ausstellung, das hinter den Säulen des Saals hängt, ein quadratisches, kleineres Format, in dem verschiedene Rottöne mit einem schimmernden, blauen Linienzug in der Mitte des Bildes konkurrieren. Rechts und links des blauen Elementes treten Schriftzüge und mathematische Formeln hervor. Das zeigt eine weitere Facette ihrer Kunst, die, wie auch andere Charakteristika in Fuchs’ Malerei, aus einem Widerspruch entspringt: Zufallsentwicklung und vitale Ordnungsstruktur treten gegeneinander an und vereinen sich in dynamischer Verflechtung.

Bis Sonntag, 30. Mai, dienstags bis freitags von 16 bis 18 Uhr, sonnabends und sonntags von 11 bis 13 Uhr im Künstlerhaus Göttingen, Gotmarstraße 1.

Von Corina S. Socaciu


Folge II

03.06. - 13.06.10
Anna Tarach
Strukturen-Mixturen-Verläufe
Malerei

Anna Tarach arbeitet mit collageartigen Siebdruck-Elementen, die sie mit malerischen Tonwerten überlagert. So entsteht ein Kontrast zwischen grafisch linearen Strukturen und malerischen Verläufen und Übergängen.

Ausschnitte gezeichneter Muster von Blattwerk und anderer Vegetation werden in die Malerei integriert.

Die Mixtur aus tapetenartigen Mustern, verbunden mit atmosphärischen Farbklängen, lässt uns eintauchen in einen Strom von Assoziationen und Empfindungen.



Göttinger Tageblatt, 05.06.2010
Die Faszination der musterartigen Reihung
Anna Tarach zeigt „Strukturen – Mixturen – Verläufe“ im Göttinger Künstlerhaus
von Eida Koheil

Die Ausstellungsreihe „Vorgestellt“ geht mit Exponaten von Anna Tarach in die zweite Runde. Das Künstlerhaus präsentiert im Weißen Saal in drei Folgen sechs Künstlerinnen, deren Werke der Verein für beachtenswert hält. „Sie sollen damit eine Chance erhalten, sich mit ihrer Arbeit zur Diskussion zu stellen“, sagt der Künstler und Initiator Georg Hoppenstedt.

Vor ihren Bildern: die polnische Künstlerin Anna Tarach im Göttinger Künstlerhaus.
© Theodoro da Silva


Anna Tarach stammt aus Polen. Die 29-Jährige lebt seit sieben Jahren in Göttingen und hat ein Atelier im Künstlerhaus. Sie hat in Łódź – ihrer Lieblingsstadt, der sie in der Ausstellung auch ein Bild gewidmet hat – Kunst mit dem Schwerpunkt Textildesign studiert. Das besondere Interesse an Formen, Mustern, Strukturen und Ornamenten prägt auch die Bilder der Ausstellung, die den Titel „Strukturen – Mixturen – Verläufe“ trägt.
Die collagenartigen Bilder, die alle in Siebdrucktechnik entstanden sind, unterscheiden sich sehr von ihren anderen Arbeiten, bei denen sie sich auf figürliche Darstellungen konzentriert. Auf den ersten Blick wirken Tarachs Bilder sehr verspielt. Pastellige Fliedertöne, beige und grün sind Farben, die sich immer wiederholen. Rapports wie bei Tapetenmustern oder Spitzenstoffen, Blüten, Verästelungen und Fruchtstände ranken über die Leinwand. Dahinter ein Vogel, ein Fisch oder eine ganze Stadt.
Hoppenstedt wirft bei der Vernissage im Künstlerhaus eine provokative Frage in den Raum, die er gleich wieder verneint: „Ist es ein verwerflicher nostalgischer Rückgriff, wenn Anna Tarach sich so genüsslich dem Ornament überlässt?“ In der Moderne habe das Ornament einen schlechten Ruf bekommen. „Ornament – ein Verbrechen“ war gar der Schmähruf des Wiener Architekten Adolf Loos. Es sei jedoch wichtig zu sehen, in welchem Kontext musterartige Reihungen stehen, sagt Hoppenstedt und verweist auf einen der wohl bekanntesten Künstler dieser Epoche: „Mit den Siebdrucken Andy Warhols sind wir mitten drin in der Besonderheit der Arbeitsweise von Anna Tarach.
Die Ausstellung läuft bis Sonntag, 13. Juni, im Künstlerhaus Göttingen, Gotmarstraße 1. Geöffnet ist dienstags bis freitags von 16 bis 18 Uhr, an Wochenenden von 11 bis 13 Uhr. Fortgesetzt wird die „Vorgestellt“-Reihe mit Bildern von Diana Janecke unter dem Titel „Ausschnitte – Durchblicke – Hintergründe“. Eröffnung: Donnerstag, 17. Juni, um 19.30 Uhr.


17.06. - 27.06.10
Diana Janecke
Ausschnitte –Durchblicke – Hintergründe
Malerei

Diana Janecke beschäftigt sich mit Silhouetten, die zu neuen Bildräumen werden. Die Umrisse der Figuren werden dabei zu Durchblicken, indem sie diese Figuren aus anderen Bildmotiven schneidet und sie so zu Hintergründen macht.
Als „selektierte Zufälligkeiten“ werden diese Ausschnitte auf großformatige Bilder übertragen und mit Acrylfarben ausgemalt. Sie generieren zu neuen ästhetischen Formcollagen, die den Betrachter durch diese Verfremdung zu immer neuen Spekulationen und unterschwelligen Assoziationen verleiten.
Das Bildmotiv im Kontextwechsel schafft eine neue Betrachtungsweise. Perspektivische und plakativ flächige Malerei gehen so in einander über und ergeben neue Räume und figürliche Arrangements, die moderne Zeitlichkeit kritisch befragen.


01.07. - 11.07.10
Angelika Kehlenbach
Bewegung – Belichtung – Auflösung
Fotografie

Angelika Kehlenbach stellt im Weißen Saal eine ihrer neusten Fotoserien vor, die nuancenreich mit dem Gegensatzpaar Stillstand/ Beweglichkeit spielt.
Nicht das klare Standfoto ist gefragt, eher wird einer Aktion, einer Drehung fotografisch gefolgt. Dabei spürt die Kamera der zeitlichen Abfolge jeder noch so kleinsten, für das große Spektakel irrelevanten Geste, nach.
Der tanzende Körper, das schöne Frauengesicht, sie werden durch Unschärfen und, wie es die Künstlerin selber formuliert, durch "Entstellungen" negiert, um dem gedanklichen Eigensinn des bewegten Menschen auf die Spur zu kommen.
Es geht ihr um die Darstellung der Zeit im Bild. Gesteuerte Bewegungsabläufe entstehen, die sich im Einzelbild wie in der ausgewählten Serie abbilden können. Unschärfen und Verwischungen sind sehr geplant und eine gezielt eingesetzte ästhetische Methode ihrer künstlerischen Arbeiten. Neuartige Verfremdungen und Verformungen entstehen, die eine Fülle malerischer Möglichkeiten von Fotografie in überzeugender Weise sichtbar machen.

Göttinger Tageblatt, 06.07.2010
„Motion Capture“

Künstlerin Angelika Kehlenbach fängt Bewegung ein

Sie ist Model und Muse: Shirin. Die Göttingerin Angelika Kehlenbach hat ihre Nichte schon häufig fotografiert, eine dieser Bildserien im Atelier Silberstein ausgestellt. Derzeit präsentiert sie eine neue Reihe im Künstlerhaus Göttingen.



Kunst in Serien: Angelika Kehlenbach.
© Theodoro da Silva


„Motion Capture“ heißt die Schau, was soviel bedeutet wie eingefangene Bewegung. Und genau das zeigt Kehlenbach auch.

Vermutlich ist sie jung, die Frau, die da herumwirbelt. Ganz genau zu sehen ist das nicht, denn das Bild ist unscharf. Alle Bilder sind unscharf, von der Künstlerin geplant. Sie hatte die Blende ihrer Kamera zwei bis drei Sekunden geöffnet, während sich die Tänzerin davor bewegte. Dass es sich dabei um eine Bauchtänzerin handelt, ist nebensächlich, Kehlenbach hat sogar versucht, dass zu verschleiern. Sie bat Shirin, eine Hose über die Arme zu ziehen. Selten ist das Gesicht der jungen Frau zu erkennen, ihr Kostüm kann man nur erahnen. Körperformen verschwinden, werden unwichtig.Der Hintergrund, vor dem sie sich bewegt, ist neutral weiß mit dunklen Verläufen am oberen oder unteren Bildrand.

Was dann bleibt, ist die Anmutung eines Ereignisses. Wie eine vage Erinnerung ziehen die Bilder vorbei, ohne Anfang, ohne Ende. Kehlenbach und die Kunsthistorikerin Anja Marrack haben im Vorfeld der Ausstellung einen E-Mail-Austausch geführt, der in dem Katalog zur Ausstellung abgedruckt ist. Marrack beschreibt darin den Ansatz der Künstlerin als den Versuch, das Geschehen „friedlich vorüber ziehen zu lassen“, es nicht „in einen Käfig von Bildperspektiven zu sperren“. Und genau das ist es, was die Qualität und die Spannung der Fotoserie ausmacht.

Die Ausstellung „Motion Capture“ von Angelika Kehlenbach läuft noch bis zum 11. Juli im Weißen Saal des Künstlerhauses Göttingen, Gotmarstraße 1. Sie ist dienstags bis freitags von 16 bis 18 Uhr, sonnabends und sonntags von 11 bis 13 Uhr geöffnet.


15.07. - 25.07.10
Ute Seiter
Farbe – Bewegung – Klänge
Malerei

Ute Seiter arbeitet auf Rohleinen mit Farbtuschen und farbintensiver Pigmentfarbe.

Ihr Anliegen ist es, durch reine Malerei, allein durch Kontrastieren und Abstimmen von Farben eine künstlerische Aussage zu erreichen.

Der Farbklang – ähnlich wie bei der Musik der Akkord – ist ihr Thema. So entstehen mit weichem Pinsel aufgetragen transparente, tief eindringende Farbräume.

Interpretierend und ausdeutend erfolgt dann mit trockenem Pinselauftrag ein Ordnen, ein Schichten von Farbflächen. Langsam entstehen Farbklänge, eine Komposition bildet sich heraus.

Abschließend wird die unregelmäßige Oberfläche des Rohleinens genutzt, es entstehen fast haptisch erscheinende Strukturen, Überhöhungen, Kontraste, Bewegungsabläufe, denen man mit den Augen - fast tänzerisch – folgen kann, ohne aus dem Gesamtfarbklang zu fallen.

Eine stark emotionale Gestimmtheit wird beim Betrachter ausgelöst, wie wir es beim Hören von Musik kennen. Ein visuelles Mitschwingen entsteht, einzelne Farbabfolgen und Linienführungen regen zum Betrachten an, dabei wird ein lyrisches Nachsinnen auslöst, das Deutungen, Assoziationen möglich macht.

Göttinger Tageblatt, 20.07.2010

Ute Seiter stellt aus: Ursuppen-Oliv und Toscana-Altrosa

Wer die Malerei von Ute Seiter beschreiben will, muss sich viele Wörter zur Charakterisierung von Farbnuancen einfallen lassen: frisches Lindgrün, kühles Stahlblau, tief leuchtendes Violett, klirrendes Eisblau mit Grünstich, Ursuppen-Oliv, Toscana-Altrosa oder schlammiges Ocker beispielsweise.


Mit Sinn für Farben: Ute Seiter in ihrer Ausstellung im Künstlerhaus.

© Vetter


Denn Seiters Palette ist umfangreich, hier findet vieles seinen Platz. Das zeigt ihre Ausstellung in der Reihe „Vorgestellt“ im Weißen Saal des Künstlerhauses Göttingen. „Farbe – Bewegung – Klang“ heißt die Schau.

Seiter schwelgt in Farben. Sie reizt die ganze Bandbreite aus und hat dabei auch Mut, Schwieriges nebeneinander zu stellen und Ungewöhnliches auszuprobieren. Sie setzt kräftiges Orange neben glühendes Rot, sie nutzt die verstärkende Wirkung des Komplementärkontrastes scheinbar instinktiv. Sie arbeitet manchmal so lasierend, dass das Farbmaterial in der Leinwand versickert, dann wieder mit kraftvoll farbgesättigtem Material.

Sie entwirft immaterielle Räume fernab von Realität, spielt mit geometrischen Figuren oder aufwendigen Strukturen. So hat sie in einem Bild dominierende Kugeln ins Zentrum gesetzt, zu Körpern elegant ausgearbeitet. Es sind die Ruhepole in einem Gewitter aus Farbe und Struktur, dass Seiter nicht immer mit dem Pinsel aufgetragen hat. Bisweilen hat sie auch die Finger benutzt, um Farbe auf die Leinwand zu streichen.

Bei all dem beweist die Künstlerin, im Brotberuf Physiotherapeutin, großes Gespür und Geschick. An keiner Stelle der Ausstellung sind die kissenartig aufgepolsterten Bilder aus den Fugen geraten, nie ist aus dem gewagten Farbspiel Buntheit geworden. Das gelingt nicht jedem.

Bis Sonntag, 25. Juli, dienstags bis freitags von 16 bis 18 Uhr, an den Wochenenden von 11 bis 13 Uhr im Künstlerhaus Göttingen, Gotmarstraße 1.

[Peter Krüger-Lenz]